Donnerstag abend klopfte es an die Tür. Wegen der Bauarbeiten vorm Haus hatten wir nicht geöffnet, aber ich war mit Vorbereitungsarbeiten beschäftigt. Es war ein Winzer, der mir seinen Wein über die Türklinke verkaufen wollte...
Er käme vom Autokaufen und hatte sich noch ein wenig Wein mitgenommen. Den wolle er auf keinen Fall wieder mit heim nemhem, und deswegen würde er mir einen guten Preis machen. Aha.
Naja, man kann ja mal probieren. Meine erste Frage: woher kommt denn der Wein? "Ipsheim", seine Antwort. Nun, wer Ipsheim kennt, der weiß natürlich, dass die Weine am Rand des Weinbaugebietes liegen, und dort wohl ordentliche Weine produziert werden, die aber auf keinen Fall mit Iphofen verglichen werden können, wo unser Silvaner her kommt (und schon gar nicht mit dem Kronsberg!). Normalerweise wäre die Unterhaltung da schon zu Ende gewesen.
Der Weinverkäufer erwies sich jedoch als sehr hartnäckig. Und so schaffte er es, dass er mir seinen Silvaner zum Probieren hinstellen konnte. Ich lasse mir sowas normalerweise nicht entgehen. Mein erster Eindruck: "sehr fruchtig. Fast zu viel für Silvaner". Er entrüstet: "Das ist mein bester Silvaner!" und der
Nachsatz: "Und was drin ist, das weiß nur ich!" Ich solle nur nicht glauben, dass alles was auf den Etiketten steht, die Wahrheit wäre.
In der Tat, das Weingesetz erlaubt es, dass 15% von einer anderen Rebsorte als der auf dem Etikett genannten im Wein enthalten sein dürfen. Wohl eine Lobbyarbeit der Großwinzer, die ihre Restbestände verwurschten wollen.
Er versteht sich von selbst, dass ich mit dem Burschen dann nichts weiter zu tun haben wollte. Es ging noch einmal hin und her, er bezeichnete mich als naiv. Also ein begnadeter Verkäufer vor dem Herrn.
Ich wies ihn dann an, seine Sachen zu packen und davon zu ziehen...
Schluss, aus. Nur weil *er* bescheißt, denkt er, dass alle Winzer so handeln. Zur Beruhigung unserer Gäste: Das ist bei weitem nicht der Fall. Ich sehe mir die Betriebe an, bei denen ich Wein kaufe. Und habe ich auch nur den leisesten Zweifel, dass dort nicht sauber gearbeitet wird, bin ich die längste Zeit dort Kunde gewesen.
Nehmen wir zum Beispiel das Weingut Gebrüder Müller in Iphofen, von denen die meisten unserer Weine kommen. Ich *weiß*, dass der Josef Olinger seine Weine liebt. Ich bin in den Weinbergen auf- und abgekraxelt und habe mir die Trauben angesehen. Wer in der Lage einmal drin gestanden war, der versteht auch, warum Wiesenbronn niemals die gleichen Weine hervorbringen kann, obwohl es doch nur ein paar Kilometer entfernt liegt.
Natürlich muss der Winzer die im Weinstock enthaltene Substanz pflegen und erhalten, und, im besten Fall, "ausbauen". Dann entstehen sortentypische, reine, nach dem jeweiligen Boden und Klima schmeckende Weine, die sehr leicht auseinanderzuhalten sind. Im besten Fall sind sie auch noch lange haltbar. Sogar die 1996er Scheurebe QbA (mit schlappen 11% Alkohol!) war 2006 noch frisch, fruchtig und aromatisch, keinesfalls abgebaut.
Nein, ich kaufe keinen Wein mehr aus zweifelhaften Quellen.