Gestern war ich wieder mal bei unserm Hauswinzer. Josef Olinger vom Weingut Gebrüder Müller. Er hatte mich auf den Abend einbestellt, damit er richtig Zeit hat.
Und tatsächlich durfte ich die Weine vom Jahrgang 2007 aus dem Faß probieren, eine echte Jungweinprobe. Es war sehr interessant. Mit als erstes habe ich gelernt, dass Rebsorten wie Müller-Thurgau in „guten” Lagen nicht unbedingt besseren Wein hervorbringen als in kühleren Lagen. Gerade beim Müller-Thurgau kann es passieren, dass man den optimalen Reifezustand in wärmeren Lagen schnell verpasst. Der Wein bekommt dann eine unangenehme, flüchtige Note, die bei längerer Lagerung aber wieder verschwindet.
Überhaupt die Lagerung. Weine werden heutzutage viel zu jung getrunken! Viel zu jung.
Es passiert immer häufiger, dass Winzer schwach angeredet (fränkisch für „dummes Geschwätz”) werden, sie würden Ladenhüter andrehen wollen, wenn man einen drei oder vier Jahre alten Rotwein auf der Liste stehen hat.
Gerade Rotwein tut die Lagerung gut, aber auch einfachen Weinen schadet ein Jahr Ruhe ganz und gar nicht. Unser Riesling zum Beispiel ist von 2001. Ein herrlicher, spritziger und frischer Wein, mit Aromen, die ein junger Wein von 2006 gar nicht entwickeln kann. Wenn man nicht auf Masse macht, dann sind die Weine auch so extraktreich, dass selbst einfache Weine gut lagerfähig sind.
In den letzten Jahren (Jahrzehnten?) sind aber immer mehr trinkbare Weine auf den Markt gekommen, die noch keine zwei Jahre alt sind. Im Extremfall Weine von der Südhalbkugel, die bereits im Herbst des laufenden Jahres zum Verkauf und zum Trinken angeboten werden. Was hat es mit diesen Weinen auf sich?