Fronleichnam
Das Fronleichnamsfest ist unter anderem in Bayern ein gesetzlicher Feiertag. Es wird am zweiten Donnerstag nach Pfingsten gefeiert und ist also vom Osterdatum abgeleitet. Wie Ostern, Pfingsten, Rosenmontag, Christi Himmelfahrt ist also auch Fronleichnam ein beweglicher Feiertag.
Name
Der Name "Fronleichnam" leitet sich aus dem mittelhochdeutschen ab: vrônlîchnam, was so viel bedeutet wie "Der Leib des Herrn". An Fronleichnam wird also die leibliche Gegenwart Jesu Christi gefeiert.
Liturgie
Fronleichnamsprozession
An Fronleichnam wird eine Heilige Messe gefeiert, bei der mit Lesungen und Gebeten die Eucharistie (das Abendmahl) gefeiert wird. Bei uns und auch in vielen anderen Gegenden wird die Messe im Freien begangen.
Nach der Messe schließt sich eine Prozession an, bei der die Gläubigen eine vom Pfarrer getragene "Monstranz", eine Art liturgisches Schaugerät, in dem eine geweihte Hostie ausgestellt wird, in einem Festzug zu mehreren geschmückten Altären im Freien begleiten. Die Monstranz wird dabei mit einem Baldachin „geschützt”. Es hat sich eingebürgert, dass die Häuser am Fronleichnamstag mit bunten Fahnen geschmückt werden. Viele Bewohner verzieren ihre Häuser auch mit Blumen, Zweigschmuck und Heiligenfiguren.
Nach der Prozession wird in der Pfarrkirche das Te deum ("Großer Gott, wir loben Dich!") gesungen.
Geschichte
Das Fest der leibhaftigen Gegenwart Christi wurde zuerst in Lüttich gefeiert und dann vom Papst Urban IV. zum gesamtkirchlichen Fest erhoben. In Bayern wurde zuerst in Benediktbeuern Fronleichnam gefeiert. Papst Johannes XXII. legte den Donnerstag als Feiertag dann fest. Berücksichtigt man die Tatsache, dass im Mittelalter die kirchlichen Feste oft zur Gewinnung von Ablassgeldern genutzt wurden, verwundert es nicht, dass Martin Luther ein strikter Gegner des Fronleichnamsfestes war. Er bezeichnete es 1527 als „das schändlichste aller Feste” und betrachtete die Prozessionen als unchristlich und als Gotteslästerung.
Dagegen kommt es heute schon vor, dass evangelische Pfarrer in Amtstracht bei der Fronleichnamsprozession mitfeiern.
Das Konzil von Trient legte das Fronleichnamsfest dann endgültig fest und wertete es auch als Machtdemonstration der Gegenreformation auf. In gemischtkonfessionellen Gebieten wie in Franken wurde darauf von den evangelischen Bauern ausgerechnet am Fronleichnamstag der Mist auf die Felder gebracht. Die Katholiken revanchierten sich dann ihrerseits am Karfreitag. Nicht selten endeten solche Spitzfindigkeiten in deftigen Handgreiflichkeiten.
Ein fröhliches Fest!
Eigentlich feiert man also an Fronleichnam die Leibwerdung des Brotes, das letzte Abendmahl. Da aber das am Gründonnerstag bekanntlich in die Karwoche fälllt, holt man ihn am Fronleichnamstag nach Pfingsten nach. Im Gegensatz zum Gründonnerstag ist dieser Tag ein fröhlicher Tag. Der Höhepunkt ist der Umzug und das anschließende gemütliche Beisammensein.
Kritik am Fronleichnamsfest
Der Ursprung ist, wie bereits beschrieben, in Lüttich. Es geht zurück auf Juliana von Lüttich. Diese war Mystikerin und kam bereits als fünfjährige Waise ins Kloster Mont Comillon, wo sie 1230 Priorin der Gemeinschaft wurde. Ihre strenge Zucht führte dazu, dass sie zweimal von den Mitschwestern vertrieben wurde, das zweite Mal kehrte sie nicht ins Kloster zurück, sondern zog es vor, als Einsiedlerin zu leben.
Ihre mystischen Visionen, bei der sie eine unvollständige Mondscheibe sah, deutete sie als Hinweis von Jesus, dass in der Kirche ein Fest zur Verehrung der Eucharistie fehlen sollte. Auf ihre Anregung hin führte der Bischof von Lüttich dann das Fronleichnamsfest ein.
Wie auch immer sie darauf gekommen ist, es gibt keine Anzeichen dafür, dass Jesus jemals an so ein Fest gedacht haben könnte. Für die frühen Christen war dieses Fest völlig unbekannt.
Um zu verstehen, warum die Kirche ein derartiges Fest so leicht einführen konnte, muss man sich den Zustand der Geistlichkeit im Mittelalter vor Augen halten. Wie Umberto Eco in Der Name der Rose (ein sehr lesenswertes Buch übrigens) es schon beschrieb, war der Klerus damals praktisch zum großen Teil durch den Ablasshandel korrupt.
Die Papstwahl war mehr Machtspiel als Sorge für die Herde. Da kam ein zusätzliches Fest, bei dem man noch mehr „Einnahmen” erwirtschaften konnte, gerade recht.
Entsprechend groß war die Anzahl der verschiedenen Orden und Sekten, die sich - offen oder weniger offen - gegen die Auswüchse des Klerus stellten. Die Waldenser beispielsweise griffen offen den Ablasshandel, die Marienverehrung, die Lehre vom Fegefeuer (Papst Benedikt XVI. hat das Fegefeuer - die „Vorhölle” - inzwischen wieder abgeschafft), die Gebete an die Heiligen und die Toten, die Eucharistie und sogar die Verehrung des Kruzifixes an.
In diesen Zeiten war ein zusätzlicher - arbeitsfreier - Feiertag bestens geeignet, um das müde Volk wieder zusammenzuhalten. Und man konnte an diesem Tag auch bestens Ablassbriefe verkaufen.
