Bayerische Hochzeit

Themenhochzeit: Bayerische Hochzeit

Immer mehr in Mode kommen die Hochzeiten, die sich einem bestimmten Motto verschreiben. Sei es, dass beide Hochzeitspartner Motorradfans sind und diese Vorliebe mit ihren Gästen teilen wollen, oder eine Hochzeit im Stil der Zwanziger Jahre, Bräutigam im Stresemann – vieles ist möglich.

Bayerische Hochzeit mit Dirndl und Tracht

Hier im süddeutschen Raum erfreut sich seit einigen Jahren eine Bayerische Hochzeit großer Beliebtheit. Zu einer zünftigen Bayerischen Hochzeit gehört natürlich eine entsprechende Hochzeitslocation und eine Sitzordnung mit der passenden Dekoration. Damit sind selbstverständlich nicht die bunten Fähnchen und Wimpel in weiß-blau gemeint, nein, das geht viel stilvoller!

Hochzeitslader

So eine zünftige Bayerische Hochzeit braucht natürlich einen Hochzeitslader! Diese wunderschöne alte Sitte lebt wieder auf. Der Hochzeitslader (nicht zu verwechseln mit dem Wedding Planner) kümmert sich persönlich um die Einladungen und tritt am Fest dann auch als Zeremonienmeister auf.

Früher ging der Hochzeitslader noch von Tür zu Tür und sagte die Einladung in Gedichtform auf. Das geht auch heute noch – doch oft leben die Gäste weit verstreut, so dass teilweise auch schriftlich eingeladen wird.

Ein guter Hochzeitslader kann immer wieder „Gschtanzl“ aufsagen, kurze, meist improvisierte Gedichte, die sich teilweise über das Brautpaar auch lustig machen. Das darf auch mal lustig sein, aber Witze unter der Gürtellinie sind tabu.

Hochzeitslader sind mit einem großen Stock ausgestattet, der mit verschiedenfarbigen Bändern verziert ist. Damit ist er immer klar erkennbar und kann wunderbar den Hochzeitsumzug organisieren.

Das Outfit – Fesch aufs Fest!

Selbstverständlich ist ein Dirndl als Brautkleid eine wunderbare Möglichkeit! Das Dirndl sollte auf jeden Fall festlich und ausgefallen gestaltet sein, die Braut soll schließlich erkennbar bleiben. Ergänzend dazu Haarkranz, die Brautschuhe und der traditionelle Brautstrauß.

Beim Bräutigam ist die Sache ähnlich. Natürlich Lederhosen, ein schönes Hemd, dazu passende Socken und Schuhe.

Auch die Gäste sollen dann in origineller Weise gekleidet sein, die Mädel im Dirndlkleid, die Mannsbilder mit Lederhosen und Trachtenjancker.

Im Standesamt

Die bayerische Hochzeit beginnt schon mit der Auswahl der Musikstücke im Standesamt und der Kirche. Bitte nicht nur bayerische Blasmusik, sondern auch Klassiker und es darf auch ein Bläser-Blues sein.

Ganz besonders originell sind natürlich Alphornbläser – dieses Brauchtum ist vor allem im Gebirge noch lebendig. Wenn dann noch der Trachtenverein eine kleine Jodler-Einlage bringt, ist
der Anfang schon perfekt!

Auch wenn der Hochzeitstermin noch in weiter Ferne liegt, sollte man sich schon rechtzeitig Gedanken machen, wo man die Eheringe kaufen will und welchen Stil sie haben sollen. Eheringe sollten auch unbedingt alltagstauglich sein und zur Persönlichkeit des Trägers passen, denn sie sind eine Anschaffung fürs ganze Leben. In der Vorbereitungszeit ist das Aussuchen der Ringe sicherlich auch der angenehmste Teil – nicht zuletzt, weil man dies bequem von zuhause aus am Bildschirm tun kann.

Dekoration

Die Räume sollten den oberbayerischen Stil entsprechen: viel Holz, getäfelte Wände, gemalte Motive und vielleicht noch ein Herrgottswinkel mit Kreuz und Schnitzereien.

Der Blumenschmuck sollte sich am Thema und der Jahreszeit orientieren und darf auch etwas rustikaler sein. Die Tischdecke muss nicht weiß, sondern darf durchaus gemustert sein.

Das Hochzeitsessen

Früher empfing man die Gäste noch vor der Trauung mit einem zünftigen Weißwurst-Essen. Das ist in Anbetracht dessen, dass die meisten Gäste nach dem Frühstück und bis zum Kaffeetrinken nichts mehr zu sich nehmen, eine gute Idee.

Das Hochzeitsbuffett sollte dann ebenfalls traditionelle Spezialitäten anbieten: Spanferkel, Sauerkraut, Haxen, vielleicht auch Semmelknödel, Leberkäse und natürlich Bauernbrot. Dazu passt hervorragend Weißbier. Zum Mitternachtsbüffet darf es dann auch Wurst und Schinken sein.

Geschichte

Es war einmal – zur Geschichte des Roten Ochsen

Rudolf Scheller

Bild vom Rudolf
Der Gründer des Roten Ochsen. Im Jahre 1860 heiratete er die Wirtstochter Margaretha Welker, die hier im Haus Nr.74 ansässig war und eine damals bereits 200 Jahre alte Bierschankstätte betrieb. Rudolf Scheller war also nicht nur Schnitzer, sondern jetzt auch Bauer und Wirt. Er hatte die Bildhauerei von seinem Vater Jakob Scheller gelernt. Dessen Großvater, Werner Scheller, hatte das Handwerk seinerzeit bei Johann Bernhard Kamm aus Bamberg gelernt (Kamm hatte unter anderem den Anna-Altar in der Basilika in Gößweinstein geschaffen).

Aber ein großes Unglück traf die Familie. Nach nur einem Jahr starb die Frau an einer Totgeburt. Die Trauer dauerte aber nicht lange, nur sechs Monate später heiratete er Maria Kunigunda Gunselmann aus Buttenheim, mit der er sechs Kinder hatte. Im Jahre 1881 hat er endlich die Konzession zur Gastwirtschaft bekommen. Im Jahre 1902 übergab er an seinen Sohn.

Johann Scheller

Johann Scheller
In jeder Generation gab es einen Johann. Ausnahmsweise übernahm der jüngste Sohn das Gasthaus. Er war im Dorf sehr aktiv, unter anderem war er auch Feuerwehrkommandant, und im Gesangsverein sang er Tenor. Irgendetwas muß ich von ihm haben, mein Großvater sagte mir, er hatte auch immer einen Witz auf der Pfanne. 1906 wurde im Gasthaus der Gesangsverein Burk gegründet. Im runden Jahr 1900 heiratete er Elisabeth Schorr, Hs. Nr. 28 in Burk. Mit ihr hatte er 4 Kinder. Statt beim Militär war er 6 Jahre beim Königlichen Leibregiment in Schloß Linderhof beim Prinzregenten Luitpold, für den Weltkrieg war er schon zu alt.

Postkarte klein

Silverius Scheller

Silverius Scheller
1932 übernahm Johanns jüngster Sohn die Gastwirtschaft. Im gleichen Jahr heiratete er Kunigunda Welker. Mit ihr kam der große Aufschwung. 1930 wurde der Sportverein Burk – damals hieß er noch „Turn- und Sportverein Burk“ gegründet und der Rote Ochs war das Vereinslokal. Jeden Sonntag gab es eine zünftige Rauferei – einiges davon kann man heute noch am Stammtisch hören. 1936 baute der Vater vom heutigen Architekten Langenbuch den Saal.
Immer wieder mußte der Saal umgebaut und erweitert werden. Das Haus hatte keine Ruhe. Silverius war nicht das Glück seines Vaters beschieden, er mußte 1939 bis zum Kriegsende 1945 an die Ostfront. Kurz vor der Heimkehr wurde er von den Amerikanern bei Baiersdorf (nur 6 Kilometer von zuhause entfernt) aufgegriffen und in das berüchtigte Lager bei Bad Kreuznach – Bretzenheim verbracht. Viele fanden dort den Tod, er überlebte bis auf die Knochen abgemagert.

Gasthaus 1963
Während der ganzen Zeit führte meine Oma das Geschäft weiter. Nach dem Krieg begann der Wiederaufbau. 1956 wurde die Gastwirtschaft vergrößert und das heutige Dreikönigszimmer gebaut. 1963 wurde von seinem Sohn Konrad zusammen mit Silverius eine Metzgerei eröffnet. Am 1. Januar 1974
übergab er seinem Sohn die Gastwirtschaft und Metzgerei, das Arbeiten ließ er sich jedoch bis zu seinem Tod nicht nehmen.

Konrad Scheller

Konrad Scheller sen.
Konrad Scheller übernahm ganz offiziell 1974 Gastwirtschaft und Metzgerei. Er war ja schließlich gelernter Metzger, und seine Frau Metzgereifachverkäuferin. Insgesamt vier Lehrlinge hat mein Vater ausgebildet. Unsere Metzgerei war bis zu ihrer Schließung im Jahr 1991 aus gesundheitlichen Gründen beliebter Ratsch-Treffpunkt des Ortes.
Aber sie machte auch viel Arbeit. Natürlich halfen auch die Eltern Silverius und Kunigunda noch mit. Nebenbei hatten wir noch Landwirtschaft – ein paar Äcker, eine Wiese und etwas Wald, und dazu noch Rindviecher, Schweine und Hühner. Doch das wurde zuviel, und so wurde nach und nach alles abgeschafft. Im Jahr 1978 renovierten meine Eltern das Gasthaus im oberbayerischen Stil mit viel Holz. Natürlich gab es kleine Veränderungen. Der Garten wurde
mehrfach umgestaltet.

Gastwirtschaft mit Metzgerei
Die Metzgerei war in den späten 70er Jahren die tragende Säule des Geschäfts. Mit viel
Liebe und Engagement kümmerte sich Elisabeth Scheller um Ihre Kunden. Die Metzgerei war
nicht nur ein Laden, sondern auch wegen der Nähe zu Friedhof und Kirche eine der Kommunikationszentralen
des Ortes. Konrad Scheller verstarb 2017 nach langer schwerer Krankheit.

Als ich – Konrad „Konni“ Scheller – 1991 das Gasthaus übernahm, führten wirtschaftliche Überlegungen dazu, dass die Metzgerei wieder geschlossen wurde. Stattdessen ist im Anbau nun ein Kühlraum und ein weiterer Arbeitsraum geschaffen worden.

Im Jahr 2002 wurde unsere Tochter Felicitas geboren.

Vor einigen Jahren bauten wir noch eine Grillhütte dazu, um im Biergarten auch größere Feste halten zu können. Bautechnisch ein kleines Meisterstück, da „windschief”, das heißt asymmetrisch gebaut, und mit allem Komfort. Auch der hier ansässige Schachclub feierte hier sein jährliches Grillfest.

Im Jahr 2010 kam dann die Sommerterrasse dazu. Dazu musste erst der alte Kühlraum abgerissen werden. Mit viel Eigeninitiative wurden 27 Bäume abgeholzt, die graue Mauer abgerissen und durch ein Geländer ersetzt und eine hochmoderne LED-Bodenbeleuchtung eingebaut. Vor allem abends eine einmalige Atmosphäre, während tagsüber eine wunderschöne Aussicht über das westliche Regnitztal bezaubert.

Der vorerst letzte Baustein war der Festsaal. Die gesamte Täfelung wurde abgerissen und der Saal ist jetzt hell und freundlich und auch für große Gesellschaften bis ca. 120 Personen geeignet.

Begegnung beim Leichenschmaus

Forchheim ist irgendwie das Zentrum des Universums.

Also. Meine Nelli ist aus Tadschikistan. Das ist in Zentralasien, etwa 6500 km entfernt, Grenze zu China. Dort wurden einst die Krimtartaren von Stalin deportiert. Auch viele Wolgadeutsche, die seit Jahrhunderten dort ansässig waren, wurden von ihrem Grund und Boden verschleppt (denn die könnten ja mit den Deutschen kollaborieren!) und nach Sibirien, Kasachstan – und eben auch nach Tadshikistan gebracht.

Meine Nelli ist aus einer Familie von Krimtartaren (jedenfalls die eine Hälfte). Als sie einen Deutschen/Deutschstämmigen geheiratet hat, ist sie 1990 nach Nürnberg gekommen. Irgendwann ging’s auseinander; jedenfalls nach zehn Jahren hat sie mich kennen gelernt und wir sind zusammen und führen das Gasthaus.

Neulich bei einer Beerdigung, die Famlie sprach mit leichtem Akzent (kennt man ja in Forchheim, wir haben ja viele „Flüchtlinge“ aufgenommen!), kommt die eine Frau meiner Nelli bekannt vor. „Aber nein,“, denkt sie, das kann nicht sein. Und doch musste sie immer wieder diese Frau anschauen. Also fragt sie die ältere Frau, die die Beerdigung ausgerichtet hatte. „Sagen Sie, wer ist denn diese Frau da drüben?“ – „Warum wollen Sie denn das wissen?“ Nelli antwortete: „Ach, eigentlich ist es unmöglich. Diese Frau erinnert mich an eine Bekannte, eine gute Freundin aus Tadshikistan.“ Da sagt die Frau verblüfft: „Wir sind aus Tadshikistan. Aus welcher Stadt denn?“ – „Kurgan-Tjube“, sagte meine Nelli. Atemlose Stille, als die beiden sich von Angesicht zu Angesicht wieder sahen: Es war tatsächlich die gute alte Freundin von damals. Man hätte eine Stecknadel fallen hören.

Nach 25 Jahren und 6500 km entfernt trifft sie ihre gute Bekannte wieder, ein grandioses Wiedersehen.

Szenen, die es echt im Leben gibt. Für einen Roman zu kitschig.

In Forchheim gehört das dazu.

Es gab auch einen Bericht der Nordbayerischen Nachrichten dazu.