Weine zum Leben

Ein Besuch beim Weingut Scheller, Stammheim

Stammheim ist ein kleiner Ort in der Nähe von Volkach, mitten in Weinfranken. Die knapp 900 Einwohner haben ein erstaunlich reges Vereinsleben. So gibt es beispielsweise auch einen „Krawattenclub Stammheim“. Und Clubberern ist Stammheim durch den Spieler Reiner Wirsching bekannt, der für den 1. FC Nürnberg in der Bundesliga spielte.

Tatsächlich leben viele der Einheimischen vom Weinbau, denn Stammheim ist die größte Winzergemeinde im Landkreis Schweinfurt. Den Weinbau gibt es dort eigentlich „schon immer“, was wohl heißt, seit der Römerzeit. Die Lage am Main ist ja auch ideal, wie man an der wunderschönen Aussicht erkennen kann.

Läuft man durch die Weinberge, so fällt einem schon von weiten eine beeindruckende Konstruktion auf. Mitten im „Eselsberg” steht der größte Bocksbeutel der Welt. Die Winzerfamilie Scheller hat dort ein Wahrzeichen geschaffen, das nicht nur Wahrzeichen, sondern auch ein schöner Aussichts- und Ruhepunkt ist. Gerne nimmt man seine Brotzeit und die hervorragenden Weine vom Weingut Scheller mit und lässt es sich gut gehen.

 

Womit wir beim Wein wären. Freundlich und offen kommt mir Michael Scheller entgegen und begrüßt mich, als würden wir uns schon ewig kennen. Und genauso geradlinig und offen ist der Wein. Ansprechend, aber ohne Ansprüche zu stellen, die Schoppenweine. Sehr saubere, sortentypische und gut trinkbare Weine, von denen man immer noch ein Schlückchen mehr trinken möchte. Fruchtig und mitreißend der Bacchus, erstaunlich frisch und angenehm der Müller-Thurgau, mit schönen Citrustönen; sanft der typische Muschelkalk-Silvaner, der ein Wein zum Verweilen ist. Bei dem bleibt man dann hängen und möchte eigentlich gar nicht mehr wechseln.

Aber ich war ja nicht zum Vergnügen dort und machte mich daran, den Rest des Sortiments zu erkunden.

Eine Sammlung von, wie ich sie gerne nenne, „Terrassenweinen“, also schönen, trinkbaren Sommerweinen in Weiß („Goldesel“), Rosé (Rotling) und ein Cuvée in Rot bilden den Auftakt des beindruckenden Portefeuilles. Nicht im Bocksbeutel abgefüllt – auf eine junge Zielgruppe ausgerichtet. Dazu passend ein Perlwein: „Secco Pfiffikus“.

Mit den ersten Bocksbeutelweinen betreten wir nun die Klassiker: Silvaner, Bacchus, Kerner (Spätlese), Domina und Domina Barrique. Das sind Weine, wie sie sein sollen! Weine, die leben, die die Kraft und Lebendigkeit des Weinbergs spüren lassen. Dabei wirken sie niemals elitär, sondern wollen auch nicht mehr sein, als sie sind: Weine zum Trinken, Weine zum Essen, Weine zum Leben.

Dabei sticht besonders der Silvaner „Alte Reben” heraus. Mit jedem Schlückchen erschließen sich neue Facetten. Doch nicht plakativ drängt sich der Eindruck auf, nein, sehr subtil, quasi nebenbei merkt man die feinen Fruchtnoten – war da nicht ein Hauch von Himbeere?

Dämmerschoppen.

Einer der schönsten Weine ist die Domina aus dem Barriquefass. Barrique nennt man die kleinen, selten benutzten Holzfässer mit nur 225l Fassungsvermögen. Die Holztöne – Spessarteiche – und der Kontakt mit der Luft durch die Poren des Holzes verleihen den Weinen eine zusätzliche Tiefe und Reife.

Und mit diesem Wein im Glas schreibe ich diesen Text.

Ganz zum Schluss kam ein weiteres Highlight auf den Tisch: die Rieslaner Beerenauslese. Bei einer Beerenauslese werden nur vollreife und überreife Beeren ausgewählt und aus diesen der Wein gekeltert. Hier steht der Wein strahlend im Glas; hocharomatische Fruchtnoten verbinden sich köstlich mit der Süße der vollreifen, aber nicht überreifen Trauben. Ich könnte mir zu einem Himbeerkuchen und Kaffee hervorragend ein Gläschen dieser Beerenauslese vorstellen.

Alles in allem: wir werden öfter voneinander hören.

Wissenswertes über Tee

Was ist eigentlich Tee?

Als „Tee” werden fachlich korrekt nur die Blätter, Stengel und Knospen der Teepflanze
(camellia sinensis) in fachgerechter Verarbeitung bezeichnet. Das ist der sogenannte echte Tee.
Wenn wir in Deutschland von Früchtetee, Kamillentee oder Kräutertee sprechen, ist das eigentlich ein Aufguss,
und kein Tee. In Frankreich ist man da z.b. konsequenter, man spricht von „thé“ (für den echten Tee) oder „infusion“ (Aufgussgetränk). Hier sprechen wir zunächst nur über echten Tee.

Die Teepflanze

Die Teepflanze kommt in zwei Formen vor: Assam und China. Assam wächst besonders gut in der Ebene und im Sumpfland, während die Chinassaatpflanze mehr in den Bergen wächst. Sie kann sogar kurzzeitig Frost ertragen.

Die Sträucher sind immergrün, wachsen etwa einen bis maximal fünf Meter in die Höhe, wenn man sie denn ließe. Denn natürlich werden die Sträucher geschnitten, damit die Ernte leichter erfolgen kann. Die größten Anbauländer sind nach wie vor China und Indien, Kenia und Sri Lanka folgen mit weitem Abstand.

Die besten Qualitäten werden ausschließlich von Hand geerntet. Das Teepflücken ist eine eigene Kunst, das wirklich Erfahrung erfordert und meistens von Frauen ausgeübt wird. Bei Spitzentees wird nur die Knospe jeden Triebes mit zwei Blättern verwendet.

Traditionelle Verarbeitung

Teebearbeitung ist kompliziert. Zuerst muss der Tee welken, damit die Blätter weich und zart werden; dann werden sie gerollt und gesiebt, dann wird fermentiert und zum Schluss getrocknet.

Bei der industriellen Verarbeitung wird der Tee in großen Produktionswerken nach dem Welken in einem Arbeitsgang zerbrochen, zerrissen und gerollt. Dabei entsteht feines Teepulver. Erst danach erfolgt die Fermentierung. Produziert werden nach dieser Methode fast alle Tees in Teebeuteln.

Aromatisierte Tees

„Computer: Tee, Earl Grey, heiß” bestellt Captain Picard vom Raumschiff Enterprise seinen Tee. Earl Grey ist aber keine besondere Sorte, sondern aromatisierter Schwarztee. Der Tee wird mit der Bergamotte-Frucht, genauer dem Öl der Frucht aromatisiert. Es dürfte die älteste Art der Tee-Aromatisierung sein, die ursprünglich konservierende Wirkung hatte und der langen Überfahrt geschuldet war. Auch Sherlock Holmes trinkt in seinen Geschichten Earl Grey.

Mittlerweile werden aromatisierte Tees in allen Variationen angeboten: von Vanille, Wildkirsche, Maracuja, Orange, oder auch weihnachtliche aromatisierte Tees mit Anis und Zimt.

Ist Tee wirklich gesund?

Ja. Das ist er. Auf jeden Fall hat Tee als inhaltsreicher Pflanzenstoff jede Menge Wirkungen, einige davon sind sehr gesund.

Tee enthält Koffein. Der Koffeingehalt ist sogar bis zu fünf mal höher als in Kaffeebohnen. Allerdings wird Tee mit mehr Wasser als Kaffee aufgegossen und der fertige Tee hat dann einen „normalen” Koffeingehalt. Wenn der Tee länger zieht, fangen die Gerbstoffe im Tee an, das Koffein zu binden. Es entfaltet dann erst einmal keine Wirkung. Im Magen selber wird dieser Komplex wieder aufgespalten und das Koffein wirkt dann – aber später und länger anhaltend.

Tee enthält eine Menge von Flavoniden, die vermutlich die die Blutgefäße elastisch halten. Damit kann das Blut leichter fließen und die Gefahr von Blutgerinnseln verringert sich. Allerdings wird diese Funktion durch Zugabe von Milch zum Schwarzen Tee fast vollständig aufgehoben (Quelle). Andererseits wirkt die Milch wieder besser gegen Nierensteine – einen Tod muss man wohl sterben.

Tee senkt den Blutdruck, oder fachlich ausgedrückt, das Risiko für Hypertonie, ist geringer geworden. Dafür reichen zwei bis vier Tassen pro Tag aus.

Kann Tee auch schaden?

Bei bestimmten Krankheiten, z.B. Blutarmut, kann Tee die Symptome verschlimmern. Das liegt an dem Polyphenol-Anteil im Tee, der nicht gerade niedrig ist. Langfristig können übermäßige Teetrinker auch unter Eisenmangel leiden. Normale Teetrinker sind davon nicht betroffen.

Mehr als nur ein Trend: Grüner Tee

Seit vielen Jahren schon findet die Alternative zum Schwarztee immer mehr Anhänger. Der
Grüne Tee wird immer beliebter, stabil und allen kurzlebigen Moden zum Trotz.

Der Grüne Tee wird im Gegensatz zum Schwarztee nicht fermentiert (oxidiert). Traditionell wird der Grüntee mit Eisenpfannen über dem Feuer gewelkt und getrocknet. Ähnlich sieht es beim
Weißem Tee aus.

Ist grüner Tee gesünder als schwarzer Tee?

Kommt drauf an. Im Prinzip sind die Inhaltsstoffe fast die gleichen – aber eben nur fast. Viele der Studien, die sich auf Tee insgesamt beziehen, wurden am Studienort mit den heimischen Teesorten, darunter vor allem in Japan und Korea mit grünem Tee durchgeführt. Die größte davon fand in Japan statt. In einer über elf Jahre laufenden Studie wurden über 40.000 Erwachsene im Alter von 40 bis 79 Jahren untersucht. Es wurden positive Auswirkungen auf den Herzmuskel festgestellt und die Sterberate sank um 12 Prozent bei Männern, um 23 Prozent bei Frauen. Ebenfalls wurden weniger Herz-Kreislauferkrankungen diagnostiziert.

Da im grünen Tee mehr Polyphenole und Fluoride enthalten sind, ist das Risiko für Karies deutlich vermindert. Die Zähne sind also gelb, aber gesund 🙂

Es gibt begründete Vermutungen, die allerdings noch nicht als Beweis durchgehen, dass grüner Tee die Möglichkeit, Alzheimer zu bekommen, vermindert. Allerdings ist der beobachtete Zeitraum noch zu gering, um rein zufällige Effekte auszuschließen. Gute Forschung braucht eben Zeit, und gerade bei Alzheimer ist das schwer festzustellen („Wo ist denn wieder der Grüne Tee…?”).

Generell gilt: nicht übertreiben, weder mit Kaffee noch mit Tee.

Keine Angst vor Kaffee

Kaffee und Kaffeevarianten

C-A-F-F-E-E!
Trink nicht so viel Kaffee!
Nicht für Kinder ist der Türkentrank,
schwächt die Nerven, macht die blass und krank…

Dieser kleine Kanon für Kinder stammt von Carl Gottlieb Hering, der unter anderem auch Kinderlieder wie „Morgen, Kinder wird’s was geben” oder „Hopp, hopp, hopp, Pferdchen, lauf Galopp” komponiert und gedichtet hat. Ein echter Ohrwurm.

Ist Kaffee schädlich für die Gesundheit?

Kaffeetrinkern versucht man seit Jahren schon, einzureden, der Genuss dieses beliebten Heissgetränks wäre schädlich. Was schmeckt und wirkt, das muss doch irgendwie schaden! Allerhand ist dem Kaffee schon angedichtet worden. Nicht nur Krebs soll er verursachen, auch Herzinfarkt. Ein schönes Beispiel findet man auf dieser Seite, nicht mal mit Dehydration (Austrocknung) und sogar Impotenz wird gedroht. Passenderweise werden am Rand gleich „Bioprodukte” zur Verbesserung der Situation verkauft. Man kann also mit der Angst vor Kaffee prima Geschäfte machen.

Beweise für diese steilen Thesen blieben jedoch die Miesmacher immer schuldig. Eher im Gegenteil: Studien haben gezeigt, dass Kaffee sogar das Risiko für Gallensteine und auch für Leberkrebs deutlich vermindert.
Bei Frauen wirkt sich Kaffeegenuss auch positiv auf Herz und Kreislauf aus.

Und, Studien haben gezeigt, dass Kaffee wirksam vor Altersdiabetes schützt!

Viele der Wirkungen sind noch unbekannt. Das ist auch kein Wunder, weil Kaffee weit über 100 aktive Substanzen besitzt.

Klimakiller Kaffee?

Kritiker wenden auch ein, durch den langen Transport aus südlichen Ländern würde Kaffee zum „Klimakiller”.

Abgesehen davon, dass Klima das Jahrzehnte lange Mittel über Temperatur und andere Parameter darstellt, es man also gar nicht „killen” kann, ist der Lebensmitteltransport in der Praxis vollkommen unbedeutend vom CO2-Ausstoß her. Gute Organisation und alleine die große Menge relativiert den Anteil gewaltig. So ist es durchaus normal, dass Äpfel aus Neuseeland und auch eben Kaffee aus Äthiopien bessere Klimabilanz aufweisen als die vom Bauernhof, zu dem 1000 Kunden mit ihrem Auto extra fahren müssen – es sei denn, der Bauernhof liegt um die Ecke und Sie fahren mit dem Fahrrad.

Aber Koffein vertrage ich nicht!

Am Koffein liegt es nicht. Selbst entkoffeinierter Kaffee entfaltet einen Großteil der beobachteten Wirkungen. Es dürften wohl die Antioxidantien im Kaffee sein, die diese Wirkung entfalten.

Gut zubereiteter Kaffee wird nicht zu heiß aufgebrüht, darf sich im Filter auch ein wenig entfalten und braucht dann auch kaum Zucker oder Milch, denn er hat dann nicht zu viele Bitterstoffe.

Ich habe Probleme mit dem Magen, was soll ich tun?

Wer zu überschüssiger Magensäure neigt – was auch stressbedingt sein kann -, der verträgt Kaffee nicht. Die Idee des Schonkaffees geht auf diese Probleme zurück. Aber es gibt eine andere Lösung: der kleine, starke Bruder des Kaffees, der Espresso. Die Bohnen werden länger geröstet, was die berüchtigte Chlorogensäure um bis zu 70 Prozent vermindert. Wer ihn nicht so stark mag, trinkt einen „Americano”, ein Espresso mit heißem Wasser verdünnt. Auch bei uns bekommen Sie natürlich Espresso, Cappuccino und Latte Macchiato.

Wie ist das mit dem Grünen Kaffee?

Seit einiger Zeit in Mode und vermutlich auch bald wieder verschwunden. Man nimmt die grünen, ungerösteten Kaffeebohnen und verkauft sie als Gesundheitsmittel. Klar ist, dass durch den fehlenden Röstprozess mehr primäre Pflanzenstoffe enthalten sind (eben auch die böse Chlorogensäure) und der Kaffee sicher nicht besser verträglich ist. Er schmeckt auch nicht besonders – also versucht der Hersteller das über die Gesundheitsschiene.

Was ist nun dran am „Fatburner” Grüner Kaffee?

Nichts. Gerösteter Kaffee wirkt genauso anregend auf den Stoffwechsel wie Grüner Kaffee. Der Hauptgrund für die Hersteller ist: sie können die Kaffeesteuer sparen, denn Grüner Kaffee unterliegt nicht der Kaffeesteuer. So kann man problemlos billiger produzieren, die Kaffeesteuer sparen und dann noch teuerer verkaufen.

Aber macht Kaffee nicht süchtig?

Das Einzige, was man Kaffee nachsagen kann: er macht (leicht) süchtig. Wenn passionierte Kaffeetrinker das Getränk absetzen, ist einige Tage lang mit etwas Kopfschmerz zu rechnen, der aber bald wieder nachlässt.

Schlussfolgerung: wer seinen Kaffee liebt, der wird ihn auch weiter trinken. Das beweist schon die berühmte Kaffeekantate, die man Johann Sebastian Bach gar nicht zugetraut hätte.

Man muss es ja nicht wie Friedrich der Große machen: er bevorzugte seinen Kaffee anstatt mit Wasser mit Champagner gebraut.

Und wer immer noch Bedenken um das koffeinhaltiges Getränk hat, der möge das neuzeitliche Internet bemühen und weiter zum Thema Kaffee recherchieren. Ergebnis: ein tolles Getränk, dass sich seit dem 17. Jahrhundert bewährt hat. Nach einer Anekdote soll der schwedische König Gustav III sogar versucht haben zu beweisen, dass Kaffee giftig sei. Er ließ zwei zum Tode verurteilte Häftlinge mit der Bedingung frei, sie müssten fortan – einer Kaffee – der andere Tee trinken. Beide Delinquenten haben den König, und auch den Leibarzt des Königs der die Kandidaten zu überwachen hatte, überlebt.

 

Bayerische Hochzeit

Themenhochzeit: Bayerische Hochzeit

Immer mehr in Mode kommen die Hochzeiten, die sich einem bestimmten Motto verschreiben. Sei es, dass beide Hochzeitspartner Motorradfans sind und diese Vorliebe mit ihren Gästen teilen wollen, oder eine Hochzeit im Stil der Zwanziger Jahre, Bräutigam im Stresemann – vieles ist möglich.

Bayerische Hochzeit mit Dirndl und Tracht

Hier im süddeutschen Raum erfreut sich seit einigen Jahren eine Bayerische Hochzeit großer Beliebtheit. Zu einer zünftigen Bayerischen Hochzeit gehört natürlich eine entsprechende Hochzeitslocation und eine Sitzordnung mit der passenden Dekoration. Damit sind selbstverständlich nicht die bunten Fähnchen und Wimpel in weiß-blau gemeint, nein, das geht viel stilvoller!

Hochzeitslader

So eine zünftige Bayerische Hochzeit braucht natürlich einen Hochzeitslader! Diese wunderschöne alte Sitte lebt wieder auf. Der Hochzeitslader (nicht zu verwechseln mit dem Wedding Planner) kümmert sich persönlich um die Einladungen und tritt am Fest dann auch als Zeremonienmeister auf.

Früher ging der Hochzeitslader noch von Tür zu Tür und sagte die Einladung in Gedichtform auf. Das geht auch heute noch – doch oft leben die Gäste weit verstreut, so dass teilweise auch schriftlich eingeladen wird.

Ein guter Hochzeitslader kann immer wieder „Gschtanzl“ aufsagen, kurze, meist improvisierte Gedichte, die sich teilweise über das Brautpaar auch lustig machen. Das darf auch mal lustig sein, aber Witze unter der Gürtellinie sind tabu.

Hochzeitslader sind mit einem großen Stock ausgestattet, der mit verschiedenfarbigen Bändern verziert ist. Damit ist er immer klar erkennbar und kann wunderbar den Hochzeitsumzug organisieren.

Das Outfit – Fesch aufs Fest!

Selbstverständlich ist ein Dirndl als Brautkleid eine wunderbare Möglichkeit! Das Dirndl sollte auf jeden Fall festlich und ausgefallen gestaltet sein, die Braut soll schließlich erkennbar bleiben. Ergänzend dazu Haarkranz, die Brautschuhe und der traditionelle Brautstrauß.

Beim Bräutigam ist die Sache ähnlich. Natürlich Lederhosen, ein schönes Hemd, dazu passende Socken und Schuhe.

Auch die Gäste sollen dann in origineller Weise gekleidet sein, die Mädel im Dirndlkleid, die Mannsbilder mit Lederhosen und Trachtenjancker.

Im Standesamt

Die bayerische Hochzeit beginnt schon mit der Auswahl der Musikstücke im Standesamt und der Kirche. Bitte nicht nur bayerische Blasmusik, sondern auch Klassiker und es darf auch ein Bläser-Blues sein.

Ganz besonders originell sind natürlich Alphornbläser – dieses Brauchtum ist vor allem im Gebirge noch lebendig. Wenn dann noch der Trachtenverein eine kleine Jodler-Einlage bringt, ist
der Anfang schon perfekt!

Auch wenn der Hochzeitstermin noch in weiter Ferne liegt, sollte man sich schon rechtzeitig Gedanken machen, wo man die Eheringe kaufen will und welchen Stil sie haben sollen. Eheringe sollten auch unbedingt alltagstauglich sein und zur Persönlichkeit des Trägers passen, denn sie sind eine Anschaffung fürs ganze Leben. In der Vorbereitungszeit ist das Aussuchen der Ringe sicherlich auch der angenehmste Teil – nicht zuletzt, weil man dies bequem von zuhause aus am Bildschirm tun kann.

Dekoration

Die Räume sollten den oberbayerischen Stil entsprechen: viel Holz, getäfelte Wände, gemalte Motive und vielleicht noch ein Herrgottswinkel mit Kreuz und Schnitzereien.

Der Blumenschmuck sollte sich am Thema und der Jahreszeit orientieren und darf auch etwas rustikaler sein. Die Tischdecke muss nicht weiß, sondern darf durchaus gemustert sein.

Das Hochzeitsessen

Früher empfing man die Gäste noch vor der Trauung mit einem zünftigen Weißwurst-Essen. Das ist in Anbetracht dessen, dass die meisten Gäste nach dem Frühstück und bis zum Kaffeetrinken nichts mehr zu sich nehmen, eine gute Idee.

Das Hochzeitsbuffett sollte dann ebenfalls traditionelle Spezialitäten anbieten: Spanferkel, Sauerkraut, Haxen, vielleicht auch Semmelknödel, Leberkäse und natürlich Bauernbrot. Dazu passt hervorragend Weißbier. Zum Mitternachtsbüffet darf es dann auch Wurst und Schinken sein.

Geschichte

Es war einmal – zur Geschichte des Roten Ochsen

Rudolf Scheller

Bild vom Rudolf
Der Gründer des Roten Ochsen. Im Jahre 1860 heiratete er die Wirtstochter Margaretha Welker, die hier im Haus Nr.74 ansässig war und eine damals bereits 200 Jahre alte Bierschankstätte betrieb. Rudolf Scheller war also nicht nur Schnitzer, sondern jetzt auch Bauer und Wirt. Er hatte die Bildhauerei von seinem Vater Jakob Scheller gelernt. Dessen Großvater, Werner Scheller, hatte das Handwerk seinerzeit bei Johann Bernhard Kamm aus Bamberg gelernt (Kamm hatte unter anderem den Anna-Altar in der Basilika in Gößweinstein geschaffen).

Aber ein großes Unglück traf die Familie. Nach nur einem Jahr starb die Frau an einer Totgeburt. Die Trauer dauerte aber nicht lange, nur sechs Monate später heiratete er Maria Kunigunda Gunselmann aus Buttenheim, mit der er sechs Kinder hatte. Im Jahre 1881 hat er endlich die Konzession zur Gastwirtschaft bekommen. Im Jahre 1902 übergab er an seinen Sohn.

Johann Scheller

Johann Scheller
In jeder Generation gab es einen Johann. Ausnahmsweise übernahm der jüngste Sohn das Gasthaus. Er war im Dorf sehr aktiv, unter anderem war er auch Feuerwehrkommandant, und im Gesangsverein sang er Tenor. Irgendetwas muß ich von ihm haben, mein Großvater sagte mir, er hatte auch immer einen Witz auf der Pfanne. 1906 wurde im Gasthaus der Gesangsverein Burk gegründet. Im runden Jahr 1900 heiratete er Elisabeth Schorr, Hs. Nr. 28 in Burk. Mit ihr hatte er 4 Kinder. Statt beim Militär war er 6 Jahre beim Königlichen Leibregiment in Schloß Linderhof beim Prinzregenten Luitpold, für den Weltkrieg war er schon zu alt.

Postkarte klein

Silverius Scheller

Silverius Scheller
1932 übernahm Johanns jüngster Sohn die Gastwirtschaft. Im gleichen Jahr heiratete er Kunigunda Welker. Mit ihr kam der große Aufschwung. 1930 wurde der Sportverein Burk – damals hieß er noch „Turn- und Sportverein Burk“ gegründet und der Rote Ochs war das Vereinslokal. Jeden Sonntag gab es eine zünftige Rauferei – einiges davon kann man heute noch am Stammtisch hören. 1936 baute der Vater vom heutigen Architekten Langenbuch den Saal.
Immer wieder mußte der Saal umgebaut und erweitert werden. Das Haus hatte keine Ruhe. Silverius war nicht das Glück seines Vaters beschieden, er mußte 1939 bis zum Kriegsende 1945 an die Ostfront. Kurz vor der Heimkehr wurde er von den Amerikanern bei Baiersdorf (nur 6 Kilometer von zuhause entfernt) aufgegriffen und in das berüchtigte Lager bei Bad Kreuznach – Bretzenheim verbracht. Viele fanden dort den Tod, er überlebte bis auf die Knochen abgemagert.

Gasthaus 1963
Während der ganzen Zeit führte meine Oma das Geschäft weiter. Nach dem Krieg begann der Wiederaufbau. 1956 wurde die Gastwirtschaft vergrößert und das heutige Dreikönigszimmer gebaut. 1963 wurde von seinem Sohn Konrad zusammen mit Silverius eine Metzgerei eröffnet. Am 1. Januar 1974
übergab er seinem Sohn die Gastwirtschaft und Metzgerei, das Arbeiten ließ er sich jedoch bis zu seinem Tod nicht nehmen.

Konrad Scheller

Konrad Scheller sen.
Konrad Scheller übernahm ganz offiziell 1974 Gastwirtschaft und Metzgerei. Er war ja schließlich gelernter Metzger, und seine Frau Metzgereifachverkäuferin. Insgesamt vier Lehrlinge hat mein Vater ausgebildet. Unsere Metzgerei war bis zu ihrer Schließung im Jahr 1991 aus gesundheitlichen Gründen beliebter Ratsch-Treffpunkt des Ortes.
Aber sie machte auch viel Arbeit. Natürlich halfen auch die Eltern Silverius und Kunigunda noch mit. Nebenbei hatten wir noch Landwirtschaft – ein paar Äcker, eine Wiese und etwas Wald, und dazu noch Rindviecher, Schweine und Hühner. Doch das wurde zuviel, und so wurde nach und nach alles abgeschafft. Im Jahr 1978 renovierten meine Eltern das Gasthaus im oberbayerischen Stil mit viel Holz. Natürlich gab es kleine Veränderungen. Der Garten wurde
mehrfach umgestaltet.

Gastwirtschaft mit Metzgerei
Die Metzgerei war in den späten 70er Jahren die tragende Säule des Geschäfts. Mit viel
Liebe und Engagement kümmerte sich Elisabeth Scheller um Ihre Kunden. Die Metzgerei war
nicht nur ein Laden, sondern auch wegen der Nähe zu Friedhof und Kirche eine der Kommunikationszentralen
des Ortes. Konrad Scheller verstarb 2017 nach langer schwerer Krankheit.

Als ich – Konrad „Konni“ Scheller – 1991 das Gasthaus übernahm, führten wirtschaftliche Überlegungen dazu, dass die Metzgerei wieder geschlossen wurde. Stattdessen ist im Anbau nun ein Kühlraum und ein weiterer Arbeitsraum geschaffen worden.

Im Jahr 2002 wurde unsere Tochter Felicitas geboren.

Vor einigen Jahren bauten wir noch eine Grillhütte dazu, um im Biergarten auch größere Feste halten zu können. Bautechnisch ein kleines Meisterstück, da „windschief”, das heißt asymmetrisch gebaut, und mit allem Komfort. Auch der hier ansässige Schachclub feierte hier sein jährliches Grillfest.

Im Jahr 2010 kam dann die Sommerterrasse dazu. Dazu musste erst der alte Kühlraum abgerissen werden. Mit viel Eigeninitiative wurden 27 Bäume abgeholzt, die graue Mauer abgerissen und durch ein Geländer ersetzt und eine hochmoderne LED-Bodenbeleuchtung eingebaut. Vor allem abends eine einmalige Atmosphäre, während tagsüber eine wunderschöne Aussicht über das westliche Regnitztal bezaubert.

Der vorerst letzte Baustein war der Festsaal. Die gesamte Täfelung wurde abgerissen und der Saal ist jetzt hell und freundlich und auch für große Gesellschaften bis ca. 120 Personen geeignet.

Begegnung beim Leichenschmaus

Forchheim ist irgendwie das Zentrum des Universums.

Also. Meine Nelli ist aus Tadschikistan. Das ist in Zentralasien, etwa 6500 km entfernt, Grenze zu China. Dort wurden einst die Krimtartaren von Stalin deportiert. Auch viele Wolgadeutsche, die seit Jahrhunderten dort ansässig waren, wurden von ihrem Grund und Boden verschleppt (denn die könnten ja mit den Deutschen kollaborieren!) und nach Sibirien, Kasachstan – und eben auch nach Tadshikistan gebracht.

Meine Nelli ist aus einer Familie von Krimtartaren (jedenfalls die eine Hälfte). Als sie einen Deutschen/Deutschstämmigen geheiratet hat, ist sie 1990 nach Nürnberg gekommen. Irgendwann ging’s auseinander; jedenfalls nach zehn Jahren hat sie mich kennen gelernt und wir sind zusammen und führen das Gasthaus.

Neulich bei einer Beerdigung, die Famlie sprach mit leichtem Akzent (kennt man ja in Forchheim, wir haben ja viele „Flüchtlinge“ aufgenommen!), kommt die eine Frau meiner Nelli bekannt vor. „Aber nein,“, denkt sie, das kann nicht sein. Und doch musste sie immer wieder diese Frau anschauen. Also fragt sie die ältere Frau, die die Beerdigung ausgerichtet hatte. „Sagen Sie, wer ist denn diese Frau da drüben?“ – „Warum wollen Sie denn das wissen?“ Nelli antwortete: „Ach, eigentlich ist es unmöglich. Diese Frau erinnert mich an eine Bekannte, eine gute Freundin aus Tadshikistan.“ Da sagt die Frau verblüfft: „Wir sind aus Tadshikistan. Aus welcher Stadt denn?“ – „Kurgan-Tjube“, sagte meine Nelli. Atemlose Stille, als die beiden sich von Angesicht zu Angesicht wieder sahen: Es war tatsächlich die gute alte Freundin von damals. Man hätte eine Stecknadel fallen hören.

Nach 25 Jahren und 6500 km entfernt trifft sie ihre gute Bekannte wieder, ein grandioses Wiedersehen.

Szenen, die es echt im Leben gibt. Für einen Roman zu kitschig.

In Forchheim gehört das dazu.

Es gab auch einen Bericht der Nordbayerischen Nachrichten dazu.

Die eilige Hochzeit

Eines schönen Tages, es war ein Donnerstag abend, war ich im Restaurant. Es war ein gemütlicher Abend, nicht allzuviel los. Da ging die Tür auf und ein junges Pärchen betrat das Restaurant. Sie wandten sich an mich und wollten eine Hochzeit bei uns feiern. Ein seit ein paar Jahren kein seltenes Ereignis; nur meist eben mit Termin.

Es handelte sich um eine kleinere Gesellschaft von 16 Personen. Nachdem die Raumfrage geklärt war, fragte ich nach dem Datum. Die beiden sahen sich an. „Morgen“, sagte der Bräutigam.

Natürlich waren wir ein bisschen verdutzt. Hatten wir doch gerade eine Feier mit allem drum und dran besprochen, allerdings noch kein Menü.

Ich verschwand erst einmal für ein paar Minuten im Kühlraum. Danach habe ich den beiden einen Menüvorschlag für ein Vier-Gänge-Menü gemacht, den sie auch sofort akzeptiert hatten.

Für uns setzte ein hektischer Abend ein. Nach dem Abendgeschäft habe ich die Vorspeise angefertigt, die Tische gestellt und den Raum dekoriert. Dann haben wir noch schnell die Tische gedeckt, Gläser poliert und alles eingedeckt. Gegen halb eins waren wir fertig.

Als gegen Mittag am Freitag die Gäste eintrafen, gingen ihnen die Augen über. Tische, mit Stoff dekoriert, weiße Stoffservietten und funkelnde Gläser. Das Menü selbst war dann nur noch das Tüpfelchen auf dem „i“.

Die Gäste waren sehr zufrieden, und das Brautpaar zeigte sich begeistert.

Meist brauchen Hochzeiten längere Vorbereitungszeit – aber im Ausnahmefall darf es auch mal sehr kurzfristig sein!