Begegnung beim Leichenschmaus

Forchheim ist irgendwie das Zentrum des Universums.

Also. Meine Bedienung Nelli ist aus Tadschikistan. Das ist in Zentralasien, etwa 6500 km entfernt, Grenze zu China. Dort wurden einst die Krimtartaren von Stalin deportiert. Auch viele Wolgadeutsche, die seit Jahrhunderten dort ansässig waren, wurden von ihrem Grund und Boden verschleppt (denn die könnten ja mit den Deutschen kollaborieren!) und nach Sibirien, Kasachstan – und eben auch nach Tadshikistan gebracht.

Nelli ist aus einer Familie von Krimtartaren (jedenfalls die eine Hälfte). Als sie einen Deutschen/Deutschstämmigen geheiratet hat, ist sie 1990 nach Nürnberg gekommen. Irgendwann ging’s auseinander und irgendwann kam sie dann in das Gasthaus.

Neulich bei einer Beerdigung, die Famlie sprach mit leichtem Akzent (kennt man ja in Forchheim, wir haben ja viele „Flüchtlinge“ aufgenommen!), kommt die eine Frau meiner Nelli bekannt vor. „Aber nein,“, denkt sie, das kann nicht sein. Und doch musste sie immer wieder diese Frau anschauen. Also fragt sie die ältere Frau, die die Beerdigung ausgerichtet hatte. „Sagen Sie, wer ist denn diese Frau da drüben?“ – „Warum wollen Sie denn das wissen?“ Nelli antwortete: „Ach, eigentlich ist es unmöglich. Diese Frau erinnert mich an eine Bekannte, eine gute Freundin aus Tadshikistan.“ Da sagt die Frau verblüfft: „Wir sind aus Tadshikistan. Aus welcher Stadt denn?“ – „Kurgan-Tjube“, sagte Nelli. Atemlose Stille, als die beiden sich von Angesicht zu Angesicht wieder sahen: Es war tatsächlich die gute alte Freundin von damals. Man hätte eine Stecknadel fallen hören.

Nach 25 Jahren und 6500 km entfernt trifft sie ihre gute Bekannte wieder, ein grandioses Wiedersehen.

Szenen, die es echt im Leben gibt. Für einen Roman zu kitschig.

In Forchheim gehört das dazu.

Es gab auch einen Bericht der Nordbayerischen Nachrichten dazu.