„Monkey 47“ – Gin Tasting

Aus dem Schwarzwald kommt einer der ersten deutschen Gins, die von sich reden machten. Manche halten ihn für den besten Gin weltweit – aber das ist natürlich immer subjektiv.

Die „47“ soll die Anzahl der verwendeten Zutaten symbolisieren. Wer weiß, vielelicht gibt es auch einmal einen „120“? Immerhin kommen auf 23 Liter Neutralalkohol bei der Herstellung schon rund 40kg Gewürze – so gesehen ist der Preis angemessen.

In der Nase besticht er durch zurückhaltende, vielfältige Wacholdernoten, diverse Zitrusfrüchte (Limette?), Beerenaromen, Kräuter und Kardamon-Noten. Anis? Sehr komplex! Dabei fruchtig und würzig.

Im Geschmack wird er noch milder und sanfter, der Wacholder wird weniger und dafür kommt eine subtile Süße zum Ausdruck. Waldbeeren vielleicht? Nach und nach wird es immer würziger und interessanter.

Ein Gin, den man gerne pur genießt.

„Hendricks“ – Gin Tasting

Auf Gurkenmelasse vergoren – wie kommt man auf eine solche Idee? 

Hendrick’s Gin 44%

Tatsächlich ist neben dem allgegenwärtigem Wacholder eine deutliche Note nach frischer Gartengurke (insbesondere Schale) zu erriechen. Und das passt gar nicht schlecht! Vielleicht noch ein paar Kräuter. 

Im Geschmack dann Rosenblätter, Pfeffer und eine kaum wahrnehmbare Süße. 

Im Gin Tonic wird das alles dann richtig wohlschmeckend – und das erste Mal, dass es beginnt, mir wirklich zu munden. 

„The Duke” – Gin Tasting

Ein erster Versuch, mich in die Welt des Gins zu begeben. Noch schreckt mich der starke Wacholderton im Gin ab. 

Nach dem dritten Gin gewöhnt man sich daran, das Tonic Water lasse ich weg. 

Und das erste Opfer ist „The Duke“, ein bayerischer Gin aus München. 

Gin aus Bayern

Am Anfang natürlich die starke Wacholdernote. Aber irgendwie kommt auch was von Zitronen- oder Orangenschale mit durch. Ebenfalls etwas krautiges. Rosmarin? Lavendel? 

Der erste Schluck überraschend mild trotz 45% – natürlich teste ich erst einmal pur. Malzige Noten dominieren, im Abgang etwas scharf, aber nicht vom Alkohol, eher ein Gewürz. Chili ist es nicht. 

Es eröffnet sich eine spannende Welt. Ich bleibe am Ball.

Weine zum Leben

Ein Besuch beim Weingut Scheller, Stammheim

Stammheim ist ein kleiner Ort in der Nähe von Volkach, mitten in Weinfranken. Die knapp 900 Einwohner haben ein erstaunlich reges Vereinsleben. So gibt es beispielsweise auch einen „Krawattenclub Stammheim“. Und Clubberern ist Stammheim durch den Spieler Reiner Wirsching bekannt, der für den 1. FC Nürnberg in der Bundesliga spielte.

Tatsächlich leben viele der Einheimischen vom Weinbau, denn Stammheim ist die größte Winzergemeinde im Landkreis Schweinfurt. Den Weinbau gibt es dort eigentlich „schon immer“, was wohl heißt, seit der Römerzeit. Die Lage am Main ist ja auch ideal, wie man an der wunderschönen Aussicht erkennen kann.

Läuft man durch die Weinberge, so fällt einem schon von weiten eine beeindruckende Konstruktion auf. Mitten im „Eselsberg” steht der größte Bocksbeutel der Welt. Die Winzerfamilie Scheller hat dort ein Wahrzeichen geschaffen, das nicht nur Wahrzeichen, sondern auch ein schöner Aussichts- und Ruhepunkt ist. Gerne nimmt man seine Brotzeit und die hervorragenden Weine vom Weingut Scheller mit und lässt es sich gut gehen.

 

Womit wir beim Wein wären. Freundlich und offen kommt mir Michael Scheller entgegen und begrüßt mich, als würden wir uns schon ewig kennen. Und genauso geradlinig und offen ist der Wein. Ansprechend, aber ohne Ansprüche zu stellen, die Schoppenweine. Sehr saubere, sortentypische und gut trinkbare Weine, von denen man immer noch ein Schlückchen mehr trinken möchte. Fruchtig und mitreißend der Bacchus, erstaunlich frisch und angenehm der Müller-Thurgau, mit schönen Citrustönen; sanft der typische Muschelkalk-Silvaner, der ein Wein zum Verweilen ist. Bei dem bleibt man dann hängen und möchte eigentlich gar nicht mehr wechseln.

Aber ich war ja nicht zum Vergnügen dort und machte mich daran, den Rest des Sortiments zu erkunden.

Eine Sammlung von, wie ich sie gerne nenne, „Terrassenweinen“, also schönen, trinkbaren Sommerweinen in Weiß („Goldesel“), Rosé (Rotling) und ein Cuvée in Rot bilden den Auftakt des beindruckenden Portefeuilles. Nicht im Bocksbeutel abgefüllt – auf eine junge Zielgruppe ausgerichtet. Dazu passend ein Perlwein: „Secco Pfiffikus“.

Mit den ersten Bocksbeutelweinen betreten wir nun die Klassiker: Silvaner, Bacchus, Kerner (Spätlese), Domina und Domina Barrique. Das sind Weine, wie sie sein sollen! Weine, die leben, die die Kraft und Lebendigkeit des Weinbergs spüren lassen. Dabei wirken sie niemals elitär, sondern wollen auch nicht mehr sein, als sie sind: Weine zum Trinken, Weine zum Essen, Weine zum Leben.

Dabei sticht besonders der Silvaner „Alte Reben” heraus. Mit jedem Schlückchen erschließen sich neue Facetten. Doch nicht plakativ drängt sich der Eindruck auf, nein, sehr subtil, quasi nebenbei merkt man die feinen Fruchtnoten – war da nicht ein Hauch von Himbeere?

Dämmerschoppen.

Einer der schönsten Weine ist die Domina aus dem Barriquefass. Barrique nennt man die kleinen, selten benutzten Holzfässer mit nur 225l Fassungsvermögen. Die Holztöne – Spessarteiche – und der Kontakt mit der Luft durch die Poren des Holzes verleihen den Weinen eine zusätzliche Tiefe und Reife.

Und mit diesem Wein im Glas schreibe ich diesen Text.

Ganz zum Schluss kam ein weiteres Highlight auf den Tisch: die Rieslaner Beerenauslese. Bei einer Beerenauslese werden nur vollreife und überreife Beeren ausgewählt und aus diesen der Wein gekeltert. Hier steht der Wein strahlend im Glas; hocharomatische Fruchtnoten verbinden sich köstlich mit der Süße der vollreifen, aber nicht überreifen Trauben. Ich könnte mir zu einem Himbeerkuchen und Kaffee hervorragend ein Gläschen dieser Beerenauslese vorstellen.

Alles in allem: wir werden öfter voneinander hören.